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Im ersten Teil unserer Serie über das Sammelgebiet DDR erfährst du, was es mit den ersten Marken der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) auf sich hat. 

Der Anfang des Wiederaufbaus

Nach dem Zusammenbruch Nazi-Deutschlands, dessen endgültiges Ende mit dem Tag der Kapitulation am 8. Mai 1945 gekommen war, ging in Deutschland erst einmal überhaupt nichts mehr. Doch das Bedürfnis zu kommunizieren war groß. Natürlich wollte man versuchen herauszubekommen, wie es Verwandten und Freunden ergangen war. Privatleute hatten damals aber so gut wie nie ein Telefon, ganz abgesehen davon, dass die Telefonleitungen ebenfalls zerstört waren. Es blieben also nur Briefe und Postkarten, um seinen Angehörigen ein Lebenszeichen senden zu können.

Die Wiederaufnahme des Postverkehrs war von Besatzungszone zu Besatzungszone und sogar von Ort zu Ort sehr unterschiedlich, teilweise wurden schon Mitte Mai wieder Briefe befördert. In einigen Orten lief der Postverkehr sogar ganz ohne Unterbrechung weiter. Meist durften aber zuerst Behörden, evtl. auch wichtige Betriebe, wieder Briefe verschicken.

Die Sowjet-Union war stärker als die Westalliierten bestrebt, Deutschland als Einheit zu behandeln (Über die Gründe hierfür sind sich die Historiker nicht einig.) und dazu hätte es nicht gepasst, eigene Marken für die SBZ zu drucken.

Während Amerikaner und Briten also ihre "AM-Post"-Briefmarken mit nach Deutschland brachten und die Franzosen in ihrer Zone ebenfalls eigene Briefmarken aus Frankreich mitbrachten, wurden die Marken in der SBZ vor Ort gedruckt. Und dies unter heute kaum noch vorstellbaren Zuständen. Die ersten Marken in Ostdeutschland waren also eher als Provisorium gedacht.

Primitive Druckmöglichkeiten und Lokalausgaben

Oft kamen die Druckereien mit dem Drucken von Briefmarken nicht hinterher oder es fehlte schlicht an Papier, Farbe, heilen Druckmaschinen oder gleich an allem. Die meisten Druckereien hatten auch keine Erfahrungen mit dem Briefmarkendruck. In Mecklenburg-Vorpommern besorgte dies zum Beispiel eine ganz normale Zeitungsdruckerei.

Man konnte es sich also nicht leisten, hohe Anforderungen an die Marken zu stellen, und so gibt es bei diesen Marken sehr zahlreiche Papier-, Zähnungs- und Farbunterschiede. Außerdem wurden auch zahlreiche Marken mit Herstellungsfehlern wie fehlende Zähnung usw. verkauft, so dass die Sammler viele Abarten beachten können.

Bis 1948 kam es immer wieder vor, dass es beim Postamt einfach keine Marken zu kaufen gab. Die Chefs griffen zur Selbsthilfe und ließen selber vor Ort Briefmarken drucken. Das war durchaus legal, aber oft hatten dabei auch Briefmarkensammler oder sogar -händler ihre Finger im Spiel. Diese Marken findest du unter "Lokalausgaben" im MICHEL-Katalog. Sie sind überwiegend teuer, aber es gibt auch eine ganze Reihe Ausgaben, die zumindest ungebraucht erschwinglich sind.

Entnazifizierung mit dem Korkstempel

Eine weitere Besonderheit sind die so genannten Sächsischen Schwärzungen. Unmittelbar nach der Wiederaufnahme des Postverkehrs gab es in Sachsen zunächst mal keine neuen Briefmarken. Wohl aber jede Menge alter Marken. Diese durften weiter verwendet werden, wenn nationalsozialistische Symbole wie Hakenkreuze oder der Kopf Adolf~Hitlers zuvor unkenntlich gemacht worden waren. Dies geschah in der Regel mit primitiven Korkstempeln:

Der Hitlerkopf wurde einfach mit einem Korkstempel ünkenntlich gemacht!

 

Die OPD-Ausgaben

Auf dem Gebiet der SBZ waren sechs Oberpostdirektionen (OPD) angesiedelt. Jede begann 1945 mit der Herausgabe eigener Briefmarken. Es gab hier also zunächst sechs Markenländer, die im Großen und Ganzen den heutigen fünf ostdeutschen Bundesländern entsprachen: 

 

Mecklenburg-Vorpommern

Brandenburg und Berlin (jetzige Bundesländer Brandenburg und Berlin 

Provinz Sachsen (jetziges Bundesland Sachsen-Anhalt)

Provinz Sachsen (jetziges Bundesland Sachsen-Anhalt)

Ost-Sachsen (jetziges Bundesland Sachsen, Raum Dresden)

Thüringen (jetziges Bundesland Thüringen)

 

Die Marken mit der Inschrift "Stadt Berlin" wurden tatsächlich im heutigen Brandenburg und ganz Berlin verkauft. Die Teilung Berlins in den Ost- und Westteil war 1945 noch nicht so spürbar.

Die Marken dieser Gebiete waren bis Ende Oktober 1946 gültig. Du findest sie unter den Nummern SBZ 1-165 im MICHEL-Katalog, direkt vor der DDR. Unlogisch ist natürlich, dass die vergleichbaren Marken der französischen Zone Land für Land ab Nr. 1 katalogisiert wurden.

Letzte gesamtdeutsche Briefmarken bis 1990: Die Kontrollratsausgaben

Anfang 1946 erschienen dann wieder Briefmarken, die in ganz Deutschland außer der französischen Zone galten:

Kontrollrat: Ziffern und... ... und Arbeiter

 

Du findest sie im MICHEL unter "Deutschland unter alliierter Besetzung" mit den Nummern 911 bis 970. Damit wird die Nummerierung des Deutsches Reichs fortgeführt, die mit der MiNr. 910 endet. Die beiden erschienenen Dauerserien werden von den Sammlern als erste bzw. zweite Kontrollratsserie bezeichnet, weil sie im Auftrag des "Alliierten Kontrollrats" herausgegeben wurden, einem Gremium, in dem die Alliierten versuchten, Deutschland zu verwalten. Die Marken dieses Gebietes sind ein Zwischenspiel innerhalb der SBZ (wie auch der Bizone) und sind daher Pflichtprogramm, wenn man sich nicht ohne Nachdenken an die Ordnung des Kataloges hält. Da sie später in der SBZ mit Aufdrucken versehen wurden, muss man sie in jedem Fall kennen.

 

Das solltest du beachten

 

Die Briefmarken der SBZ sind direkte Vorläufer der Marken der DDR. Dies macht der MICHEL-Katalog ja auch durch die fortlaufende Nummerierung beider Gebiete deutlich. Wir raten, die SBZ in der DDR-Sammlung nicht völlig außer Acht lassen. Einigermaßen machbar ist es, wenigstens die Dauermarken in der jeweils billigsten Type in die Sammlung aufzunehmen und einige leere Stellen im Album in Kauf zu nehmen.

Einige Ausgaben kosten aber auch schon in dieser billigsten Form eine ganz schöne Stange Geld. Wer mit dem Gedanken spielt auch Unternummern zu berücksichtigen oder gar ganz spezialisiert sammeln zu wollen, der muss richtig viel Geld und noch mehr Geduld mitbringen, damit er auch nur Teile der SBZ einigermaßen komplett bekommt. Die SBZ ist also kein Sammelgebiet für's Taschengeld.

Die meisten Ausgaben der SBZ sind gebraucht teurer als ungebraucht. Entsprechend groß ist die Versuchung, die Marken mit einem falschen Stempel aufzuwerten. Die Katalogpreise für gestempelte Marken gelten daher auch bei billigen Marken nur für geprüfte Stücke. Eine Warnung, die man sehr ernst nehmen sollte!

Es gibt einige Ausgaben, insbesondere die Blöcke Thüringens, die kaum frei am Postschalter bzw. nur mit unverschämt hohen Aufschlägen verkauft wurden. Ebenso verdanken etliche Lokalausgaben ihr Dasein nicht dem Bedarf an Briefmarken, sondern dem Bedarf Geschäfte mit ihnen zu machen. Den Erwerb solcher Stücke könntest du also noch weiter zurückstellen als es die doch recht saftigen Preise nötig machen.

 

 


Dieser Artikel gehört zu einer Artikelserie, die im Jahr 2002 in Zusammenarbeit von Horst Geyermann von der Arbeitsgemeinschaft "DDR spezial" im Philatelisten-Klub Berlin-Mitte und Reinhard Nitzsche für die Zeitung "Post für Dich" unserer Gruppe Stadt Berlin. Für die Website wurde er leicht überarbeitet.